Dr. Roni Kedmi
Das hebräische Wort 'Messias' bedeutet: der mit Öl Gesalbte. Bei der Salbung mit Öl handelt es sich um eine Zeremonie, bei der die für das Amt des Hohenpriesters, des Königs oder manchmal des Propheten vorgesehenen Personen, (wie z. B. der Prophet Elisha) hervorgehoben wurden.
Im Judentum ist der Messias eine erlösende Figur, mit Charakteristiken eines Hohenpriesters und Königs, die den Lauf der Welt entsprechend dem göttlichem Plan verändern kann:
" Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. 7 Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. 8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt." (Jesaia Kapitel 11, Vers 6-9)
Merkmale des Messias im Judentum:
1. Diener Gottes: " Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen." (Jesaja Kapitel 42, Vers 1)
2. Er wird das Gottesreich erbauen: Der soll meinem Namen ein Haus bauen" (Samuel 2, Kapitel 7, Vers 13)
3. Nationaler Held, der die Feinde Israels besiegt: "Zu derselben Zeit soll Juda geholfen werden und Jerusalem sicher wohnen" (Jeremia Kapitel 33, Vers 16), " Seit der Zeit, da ich Richter über mein Volk Israel bestellt habe, will ich dir Ruhe geben vor allen deinen Feinden. Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will." (Samuel 2, Kapitel 7, Vers 11); "Alle Könige sollen vor ihm niederfallen und alle Völker ihm dienen", (Psalter, Kapitel 72, Vers11) .
4. Seine Herrschaft wird für alle Ewigkeit gelten: " Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. (Samuel2, Kapitel 7, Vers 13)
5. Kann Wunder wirken: Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. (Jesaja, Kapitel 11, Vers 2)
6. Wirkt als moralischer Richter: " sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande" (Jesaja, Kapitel 11, Vers 4)
7. Dient als Erleuchtung der Nationen: " Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker. (Jesaja, Kapitel 42, Vers 6,7)
8. Sein Erfolg ist auf geistiges, friedliches Wirken zurückzuführen: " wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. (Jesaja, Kapitel 11, Vers 4)
9. Eine leidende Figur, die die Wehen der Gesellschaft auf den Schultern trägt:" Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja, Kapital 53, Vers 4-5)
10. Er stammt aus dem Haus Davids: " Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. " (Jesaja, Kapitel 11, Vers 1)
11. Der genaue Zeitpunkt seines Erscheinens ist unbekannt.
Den Eintragungen im Buch Secharja nach wird der Messias auf einem Esel heranreiten:" Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Secharja, Kapitel 9, Vers 9).
Der Glaube an das Erscheinen und das Wesen des Messias hat im Judentum im Laufe der Geschichte unterschiedliche Formen angenommen und sich im Kontext der geschichtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten unterschiedlich entwickelt.
In der christlichen Doktrin gilt Jesus als Messias und wird Christus genannt (griechisch für Messias). Im Neuen Testament wird Jesus mehrere Male als Messias bezeichnet, z. B.: das Evangelium nach Markus beginnt mit den Worten: " Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes." (Markus, Kapital 1, Vers 1). Im Evangelium nach Matthäus, bezeichnet Petrus Jesus als Messias und als Sohn Gottes: " Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 16, Vers 16). Dieser Ausspruch drückt die Überzeugung aus, Jesus sei der Sohn Gottes und verfüge über göttliche Eigenschaften. Im Evangelium nach Markus gibt sich Jesus dem Hohenpriester als Messias zu erkennen: " Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. (Evangelium nach Markus, Kapitel 14, Vers 61-62)
Über die im Neuen Testament erscheinende Darstellung von Jesus als Messias und die Beschreibung seines Lebens und Sterbens hinaus, weist Jesus in der Tat die Merkmale auf, die auch im Judentum für den Messias genannt werden:
1. Wirkt im Auftrage Gottes: "Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen... Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren." (Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 4, Vers 18-21).
2. Das göttliche Königreich wird für alle Ewigkeit eingerichtet – das Reich des Himmels: " Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 3, Vers 2)
3. Mit wundersamen Kräften versehen, die ihm Wundertaten erlauben, u. a. das Erwecken der Toten: " Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt" (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11, Vers 5)
4. Wirkt als Richter: " Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet". (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 25, Vers 31-32).
5. Wird als friedensliebend dargestellt, als Gegner jeglicher Gewalt: "Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar". (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5, Vers 39 ).
6. Jesus wird leidend dargestellt, sowohl zu Lebzeiten als auch in seinem Tod: " Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht".(Evangelium nach Lukas, Kapitel 17, Vers 25).
7. Seine Handlungen sind nicht nur den Juden zugewandt, sondern auch den Heiden:"Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden. Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. (Der Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 10, Vers 11-12)
8. Er stammt aus dem Haus David: " von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch" (Der Brief Paulus an die Römer, Kapitel 1, Vers 3).
9. Es wird beschrieben, wie Jesus auf einem Esel reitend in Jerusalem
Einzieht: "Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf." ( Evangelium nach Markus, Kapital 11, Vers 7)
10. Der Zeitpunkt des Erscheinens ist unbekannt, es steht jedoch fest, dass Dieses Ereignis sich am Ende aller Tage zutragen wird: "Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint." (Evangelium nach Matthäus, Kapital 24, Vers 43 – 44).
Trotz gewisser Ähnlichkeiten in der Betrachtungsweise, bestehen zwischen dem Judentum und dem Christentum grundlegende Unterschiede in der Auffassung des Messias:
1. Für das Judentum handelt es sich bei der Person des Messias um einen Menschen aus Fleisch und Blut. Im Tanach, im alten Testament, wird erklärt, Gott sei ihm ein Vater und er sei sein Sohn: "Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn sein" (Samuel 2, Kapitel 7, Vers 14); die Bedeutung dieses Verses ist aber allen Anschein nach symbolisch zu verstehen: der Messias wird die Gnade Gottes erfahren, so wie ein Sohn die Gnade seines Vaters geniesst.
Dem katholischen Katechismus nach, ist der Messias der Sohn Gottes (und gleichzeitig ein Menschsohn): "denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit."( Der Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 9, Vers 5).
2. Im Gegensatz zum jüdischen Glauben, für den die Offenbarung des Messias noch erwartet wird, ist für den christlichen Glauben der Messias schon erschienen: "Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet." ( Evangelium nach Johannes, Kapitel 4, Vers 25-26). Er wird am Ende aller Tage zurückkehren.
Nach christlicher Auffassung versündigt sich das Volk Israel dadurch, dass es sich weigert, Jesus als Messias anzuerkennen: " Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus" (Der Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 2, Vers 16). Wenn es des Messias als solchen anerkennt, wird es gerettet: " Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet."
(Der Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 10, Vers 9).