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Visit of Pope to Israel     Deutsch     Papst Benedikt XVI und die katholisch-jüdischen Beziehungen

Papst Benedikt XVI und die katholisch-jüdischen Beziehungen

 

Rabbiner David Rosen

Die in letzter Zeit vieldebattierte Kontroverse üm die Aufhebung der Exkommunikation von Richard Williamson und anderer Bischöfen  der Bruderschaft Puis X lies den Eindruck entstehen, dass der Vatikan in Fragen seiner Verpflichtungen im Rahmen der katholisch-jüdischen Beziehungen und insbesondere im Bezug auf die Bekämpfung des Antisemitismus möglicherweise einen Rückzieher plant. Die Erklärungen des Vatikan Staatssekretariats und die darauffolgenden Erklärungen des Papstes selbst, - u. a. anlässlich einer Sitzung mit dem bilateralen Ausschuss des israelischen Oberrabbinats und des Ausschuss für den religiösen Dialog mit den Juden des Heiligen Stuhls, haben klar zum  Ausdruck gegeben, dass dem nicht so ist.

Der Vatikan und der Papst haben offen dargestellt, dass die Aufhebung der Exkommunikation nicht als Wiedereinsetzung dieser Bischöfe zu werten ist. Diese werden nicht wieder in die Kirche aufgenommen werden, solange sie sich die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils, die die positiven Lehren über die Juden und das Judentum enthalten, nicht zueigen machen. Insbesondere hat der Papst die klare und unmissverständliche Verurteilung des Antisemitismus und der Holocaustleugnung seitens der Kirche wiederholt. Er hat die Bedeutung der Holocaust-Erziehung unterstrichen und seinen persönlichen Einsatz bekräfigt, den Weg seines Vorgängers zu befolgen und die katholisch-jüdischen Beziehungen weiterhin zu verstärken.

Wer die Überzeugungen und Errungenschaften von Papst Benedikt XVI kennt, wird darüber nicht überrascht sein.

ER WAR DER ersten Papst, der jüdische Repräsentanten sowohl zur Beisetzung von Papst Johannes Paul II und, vor allem, zu den Feierlichkeiten zu seiner eigenen Amtseinsetzung auf den Thron Petri einlud.

Etwa einen Monat danach empfing er eine Delegation des International Jewish Committee for Interreligious Consultations. Diese Dachorganisation der wichtigsten jüdischen Interessensvertretungen und der wichtigsten Strömungen des zeitgenössischen Judentums, ist der offizielle Partner des vatikanischen Ausschusses für die religiösen Beziehungen mit den Juden. Bemerkenswert ist, dass er diese jüdische Delegation so kurze Zeit nach seinem Amtsantritt empfing, noch bevor er Delegationen von Vertretungen anderer Zweige des Christentums empfing, von anderen Religionen ganz zu schweigen.

Bei dieser Sitzung erklärte er " in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzil unternahmen meine Vorgänger, Papst Paul VI und auf besondere Art und Weise Papst Johannes Paul II, bedeutende Schritte in Richtung auf eine Verbesserung der Beziehungen mit dem jüdischen Volk. Es ist meine Absicht, diesen Weg weiterzubeschreiten." Bemerkenswert ist darüberhinaus die Tatsache, dass es sich bei dem  ersten Gotteshaus einer anderen Religionsgemeinschaft, dem Papst Benedik XVI einen Besuch abstattete, um die Synagoge von Köln handelte, der er während seines Deutschlandbesuchs anlässlich des Weltjugendtages einen Besuch abstattete.

Bei dieser Gelegenheit sprach er von der oben beschriebenen Sitzung und erklärte "heute möchte ich bekräftigen, dass ich mit verstärktem Einsatz auf dem Weg der verbesserten Beziehungen und der Freundschaft mit dem jüdischen Volk fortzuschreiten gedenken, in Fortsetzung der ausschlaggebenden Ansätze, die Papst Johannes Paul II uns vorgab." Bei beiden Gelegenheiten ging er ausführlicher auf die Art und Weise ein, in der er  Natur und Zielsetzung dieser Beziehung sah. Während er die tragische Vergangenheit würdigte und das Wiederaufleben des Antisemitismus beklagte, bekräftigte er, dass "die  von Christen und Juden gleichermassen geschätzte spirituelle Überlieferung selbst die Quelle der Weisheit und der Inspiration darstellt, die die Fähigkeit besitzt, uns in Übereinstimmung mit dem göttlichen Plan auf eine Zukunft der Hoffnung hin- zu lenken vermag. Gleichzeitig bleibt für beide Gemeinschaften das Gedenken der Vergangenheit eine moralische Auflage und eine Quelle der Läuterung in unseren Bestrebungen, Aussöhnung, Gerechtigkeit, Respekt und menschliche Würde zu erbeten und auf sie hinzuarbeiten und für den Frieden, der letzlich ein Geschenk des HERRN selbst darstellt. Aus ihrer eigenen Natur heraus muss diese Bedeutung eine andauernde Überlegung über die grundlegenden historischen moralischen und theologischen Fragen beinhalten, die durch die Erfahrung der Shoah aufgeworfen werden."

NOCH IM ERSTEN Jahr seines Pontifikats setzte Papst Benedikt seine Begegnungen mit einer ganzen Reihe von jüdischen Organisationen und Repräsentanten, u. a. mit den Oberrabbiners Israels und mit dem Oberrabbiner der Stadt Rom fort. Bei seinem Treffen mit dem Oberrabbiner erklärte er, " die katholische Kirche steht Ihnen nahe und versteht sich als Ihr guter Freund. Ja, wie lieben Sie – wir können nichts anderes tun, als Sie lieben, schon wegen der Erzväter: durch sie sind Sie uns sehr liebe und geliebte Brüder."

Der Papst drückte seine Dankbarkeit für den göttlichen Schutz des jüdischen Volkes aus, der im Lauf der Geschichte sein Überleben gesichert hat: "Das Volk Israel ist wiederholt aus den Händen seiner Feinde gerettet worden - in den Jahrhunderten des Antisemitismus und während der tragischen Ereignisse der Shoah hat die Hand des Allmächtigen es gestützt und geleitet."  Diese Gedanken finden sich als Leitgedanken in den Schriften von Josef Ratzinger.

Im Dezember 2000 schrieb er in einem, im L'Osservatore Romano erschienenen Artikel mit dem Titel Das Erbe Abrahams: Das Geschenk der Weihnacht: "Abraham, der Vater des Volkes Israel, der Vater des Glaubens, wurde zur Quelle des Segens, denn durch ihn ' sollen alle Stämme der Welt sich als gesegnet verstehen'. Die Aufgabe des Auserwählten Volkes besteht daher darin, seinen  Gott, den einen, wahren Gott, an jedes einzelne Volk als Geschenk weiterzugeben. Als Christen sind wir eigentlich die Erben seines Glaubens an einen Gott. Unsere Dankbarkeit muss daher unseren jüdischen Brüdern und Schwestern gelten, die, trotz der Leiden ihrer eigenen Geschichte, an dem Glauben an diesen Gott bis zum heutigen Tage festgehalten und ihm Zeugnis getragen haben..." In demselben Artikel ging der damalige Kardinal Ratzinger auf die Frage des Antisemitismus ein und auf das Ausmass, in dem das Christentum mit ihm in Verbindung stand. Er erklärte: "Im Verlauf der Geschichte des Christentums, haben sich die schon angespannten Beziehungen weiter verschlechtert und haben in manchen Fällen zu antijüdischen Haltungen geführt, die im Verlauf der Geschichte zu bedauernswerten Gewaltausbrüchen führten. Auch wenn die verdammungswürdigste Erfahrung der Shoah im Namen der anti-christlichen Ideologie durchgeführt wurde, die versuchte, den christlichen Glauben in seinen abrahamischen Wurzeln innerhalb des Volkes Israel zu treffen, kann nicht geleugnet werden, dass ein gewisser unzureichender Widerstand gegen diese Abscheulichkeiten von Seiten der Christen durch eine inhärente anti-jüdische Haltung, die sich in den Herzen nicht weniger Christen befand, erklärt werden kann."

DIESE VERURTEILUNG des Antisemtismus enthält eine Beschreibung des Nazismus, die wohl nicht von allen übernommen wird. Der Papst wiederholte seinen Gedanken, als er im Mai 2006 die Stätte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau besuchte.

In der Beschreibung der Absichten des Nazismus, erklärte er: "In ihrem tiefsten Inneren wollten diese bösen Kriminellen durch die Ausrottung dieses Volkes, den Gott töten, der zu Abraham sprach, der sich auf dem Sinai-Berg offenbarte und die Prinzipien niederlegte, die der Menschheit als Leitfaden dienen sollten, Prinzipien, die ewige Gültigkeit besitzen. Wenn dieses Volk, durch seine blosse Existenz, einen Zeugen für den Gott darstellt, der zu der Menschheit sprach und uns zu sich nahm, dann musste dieser Gott letzten Endes sterben und die Macht musste allein dem Menschen eigen sein, den  Menschen gehören, die dachten, dass die sich gewaltsam zu den Herrschern der Welt erhoben hatten. Durch die Ausrottungs Israels, durch die Shoah, wollten sie letzten Endes die Fundamente des christlichen Glaubens auslöschen und ihn durch einen Glauben ihrer eigenen Erfindung ersetzen .....".

Während sich zahlreiche Stimmen dieser Analyse von Papst Benedikt XVI widersetzen werden, kann es für Christen wohl kaum ein schlagkräftigeres Argument dafür geben, jedes antisemitische Vorurteil zu meiden, als dasjenige, das er in diesen Erklärungen ausdrückt.

Es ist bezeichnend, den Antisemitismus als Übel darzustellen und es ist bemerkenswert, ihn als "Sünde gegen Gott und den Menschen" zu verurteilen, wie es Papst Johannes Paul II tat (Worte, die von Papst Benedikt XVI selbst wiederholt wurden). Den Antisemitismus jedoch als Angriff gegen die Grundfeste des Christentums selbst zu bezeichnenn, bedeutet für einen Christen, dass das Vorhandensein solcher Gefühle einen Angriff und einen Verrat seines bzw. ihres eigenen Glaubens darstellen, eine Botschaft von enormer pädagogischer Bedeutung im Kampf gegen den Hass  der Juden und des Judentums.

WIE SCHON ERWÄHNT; versteht Papst Benedikt XVI die Kirche als mit einem besonderen, eigentlich einmaligem Beziehungsauftrag zum jüdischen Volk beauftragt. Dies muss notwendigerweise die zentralen Dogmen des jüdischen Glaubens und die zeitgenössische jüdische Identität in Rechnung stellen. In diesem Zusammenhang verfügt der Papast über ein tiefes Verständnis der Bedeutung des Staates Israel für das jüdische Volk. Als Kardinal Ratzinger war er Mitglied des päpstlichen Sonderausschusses, der sich mit der Revision und der Bewilligung der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan beschäftigte.

Zu seinen engsten, langjährigen Freunden in Israel (zu denen der verstorbene Oberbürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek zählte), gehört Professor Zwi Werblowsky, einer der jüdisch-israelischen Verfechter des interreligiösen Dialogs. Der damalige Kardinal Ratzinger rief Werblowsky in Jerusalem an, um seine Freude über diese Entwicklung kundzutun – er bezeichnete dieses Werk als das Ergebnis der Arbeiten des Zweiten Ökumenischen Vatikankonzils.

Die zentrale Rolle, die der Staat Israel in der zeitgenössischen und historischen jüdischen Identität innehat, wird nicht von allen Kirchenvertretern richtig gewertet. Papst Benedikt XVI würdigt diesen Stellenwert; er erkennt, dass die Beziehung zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel auf das Innigste mit der Beziehung zwischen dem jüdischen Volk und der katholischen Kirche zusammenhängt.

Dies trägt selbstverständlich eine Schwierigkeiten in sich, sowohl im Bezug auf die Interessen, sowohl der ortsansässigen Kirche in Israel und den palästinensischen Gebieten und den Interessen des Heiligen Stuhls im Inneren und im Bezug auf die arabische Welt und die muslimische Gesellschaft insgesamt. Diese oft widersrpüchlichen Interessen werden offensichtlicherweise vom israelisch-palästinensischen Konflikt grundlegend betroffen.
Dementsprechend ist das Thema des Gebets um den Frieden im Heiligen Land eine wiederkehrendes Thema in den Predigten und Ansprachen des Papstes, womit deutlich dargestellt wird, dass ein solcher Frieden nicht nur für die Völker und Religionen in diesem Land, sondern für die gesamte Welt eine Quelle des Segens darstellen würde. Papst Benedikt XVI bezog sich wiederholt auf die für Juden und Christen gleichermassen bestehende Notwendigkeit, gemeinsam für das Ziel des Friedens in der gesamten Welt zu beten und zu arbeiten.

In seiner  oben erwähnten Sitzung mit der Delegation der Oberrabbiner des Staates Israel, unter der Leitung des Oberrabbiners She'ar Yashuv Cohen gab der Papst seiner Hoffnung Ausdruck, sein bevorstehender Besuch in Israel könne die katholisch-jüdischen Beziehungen fördern und somit auch den Frieden in diesem Land und über seine Grenzen hinaus. Während alle Menschen guten Willens diese letztere Hoffnung teilen werden, wird die gegenwärtige Situation vor Ort einige zu Zweifeln bezüglich einer kurzfristigen Umsetzung verleiten. Es kann jedoch kaum einen Zweifel daran herrschen,  dass der Besuch von Papst Benedikt XVI einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der historischen Veränderungen in den Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen Volk leisten wird.

Der Autor, der ehemalige Oberrabbiner von Irland, ist Leiter des American Jewish Committee¹s Department of Interreligious Affairs und ehrenamtlicher Berater des israelischen Oberrabbinats zu zwischenreligiösen Beziehungen.

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