Der Rabbiner der Klagemauer und anderer heiliger Stätten Rabbiner Shmuel Rabinovitz empfing den Papst bei dessen Besuch an der Klagemauer mit folgenden Worten:
»Die Steine der Klagemauer sind ein Zeugnis für die glorreiche Vergangenheit des jüdischen Volkes, die diesem die Kraft verleihen, den Bedrängnissen und Verfolgungen entgegenzutreten. Wie diese Steine, die so schwere Ereignisse überstanden haben, hat auch das jüdische Volk Verfolgungen und Folterungen überstanden, und blieb dennoch ein ewiges und auf Werten basiertes Volk, dem keiner gewachsen ist. Jeder gläubige Mensch ist verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass dem jüdischen Volk kein Leid angetan wird.«
Der Papst antwortete, er sei hierher gekommen, um Gott im Gebet um Frieden und Ruhe im Nahen Osten zu bitten.
Darauf entgegnete ihm der Rabbiner, es genüge nicht, zu beten, man müsse auch durch Handeln dazu beitragen, Frieden und Ruhe herbeizuführen.
Im Anschluss daran sprach der Rabbiner der Klagemauer Verse aus dem Gebet Salomons anlässlich der Tempeleinweihung. In diesem Gebet bittet der König darum, dass jedes Flehen und jedes Gebet eines Menschen, Jude wie Nichtjude, an diesem Ort Gehör finden möge.
Weiter zitierte der Rabbiner der Klagemauer die Worte des Propheten Micha: »Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.«
Abschließend zitierte er Verse aus den Worten des Propheten Jesaja, der das Ende aller Tage voraussieht, an dem das jüdische Volk zum Heiligen Berg zurückkehren und sich an seinem Bethaus erfreuen wird »…denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt…man wird nichts mehr hören von Unrecht in deinem Land, von Verheerung und Zerstörung in deinem Gebiet. Deine Mauern nennst du Heil...«. (60:18)
Und zu Jerusalem zitierte er die folgenden Worte des Propheten Jesaja: »Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein…. lasst auch ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufbaut, bis er es auf der ganzen Erde berühmt macht. « (62: 1 u. 7)
Verse aus der Heiligen Schrift
anlässlich des Papstbesuches am 33. Tag der Omerzählung, dem 18. Ijar 5769
Im ersten Buch der Könige, Kapitel 8, finden wir das Gebet, das König Salomon sprach, als er den Tempel einweihte:
Kapitel 8
22 Dann trat Salomo in Gegenwart der ganzen Versammlung Israels vor den Altar des Herrn, breitete seine Hände zum Himmel aus
23 und betete: Herr, Gott Israels, im Himmel oben und auf der Erde unten gibt es keinen Gott, der so wie du Bund und Huld seinen Knechten bewahrt, die mit ungeteiltem Herzen vor ihm leben.
24 Du hast das Versprechen gehalten, das du deinem Knecht, meinem Vater David, gegeben hast. Deine Hand hat heute erfüllt, was dein Mund versprochen hat.
25 Und nun, Herr, Gott Israels, halte auch das andere Versprechen, das du deinem Knecht David, meinem Vater, gegeben hast, als du sagtest: Es soll dir nie an einem Nachkommen fehlen, der vor mir auf dem Thron Israels sitzt, wenn nur deine Söhne darauf achten, ihren Weg so vor mir zu gehen, wie du es getan hast.
26 Gott Israels, möge sich jetzt dein Wort, das du deinem Knecht David, meinem Vater, gegeben hast, als wahr erweisen.
27 Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.
28 Wende dich, Herr, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet.
29 Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll. Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet.
30 Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten. Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst. Höre sie und verzeih!
31 Wenn sich jemand gegen seinen Nächsten verfehlt und dieser ihm einen Eid abverlangt, den er schwören muss, und er dann kommt und vor deinem Altar in diesem Haus schwört,
32 so höre du es im Himmel und greif ein! Verschaff deinen Knechten Recht; verurteile den Schuldigen und lass sein Tun auf ihn selbst zurückfallen! Den Schuldlosen aber sprich frei und vergilt ihm, wie es seiner Gerechtigkeit entspricht.
33 Wenn dein Volk Israel von einem Feind geschlagen wird, weil es gegen dich gesündigt hat, und dann wieder zu dir umkehrt, deinen Namen preist und in diesem Haus zu dir betet und fleht,
34 so höre du es im Himmel! Vergib deinem Volk Israel seine Sünde; lass sie in das Land zurückkommen, das du ihren Vätern gegeben hast.
35 Wenn der Himmel verschlossen ist und kein Regen fällt, weil sie gegen dich gesündigt haben, und wenn sie dann an diesem Ort beten, deinen Namen preisen und von ihrer Sünde lassen, weil du sie demütigst,
36 so höre du sie im Himmel! Vergib deinen Knechten und deinem Volk Israel ihre Sünden; denn du führst sie den guten Weg, den sie gehen sollen. Spende Regen deinem Land, das du deinem Volk zum Erbbesitz gegeben hast.
37 Wenn im Land Hungersnot herrscht, wenn Pest ausbricht, wenn Getreidebrand, Rost, Heuschrecken und Ungeziefer auftreten, wenn Feinde sie im eigenen Land bedrängen, wenn irgendeine Plage oder Krankheit sie trifft,
38 (so höre du) jedes Gebet und Flehen eines jeden einzelnen und deines ganzen Volkes Israel; denn sie alle kennen die Not ihres Herzens und erheben ihre Hände zu diesem Haus.
39 Höre sie dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst, und verzeih! Greif ein, und vergilt jedem, wie es sein Tun verdient. Du kennst ja ihre Herzen; denn du allein kennst die Herzen aller Menschen.
40 So werden sie dich fürchten, solange sie in dem Land leben, das du unseren Vätern gegeben hast.
41 Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen;
42 denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand und deinem hoch erhobenen Arm hören. Sie werden kommen und in diesem Haus beten.
Und so antwortet ihm der EWIGE, GESEGNET SEIN NAME in Kapitel 9
3 Er sprach zu ihm: Ich habe dein flehentliches Gebet, das du an mich gerichtet hast, gehört und dieses Haus, das du gebaut hast, geheiligt. Meinen Namen werde ich für immer hierher legen, meine Augen und mein Herz werden allezeit hier weilen.
Darin liegt die Kraft dieses heiligen Ortes, von dem die göttliche Nähe niemals weichen wird.
Und so heißt es im Buche Micha (Kapitel 4) über das Zusammenleben mit anderen Völkern und Andersgläubigen:
3 Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht [bis in die Ferne]. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.
4 Jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf. Ja, der Mund des Herrn der Heere hat gesprochen.
5 Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.
Lassen Sie mich die visionären Worte der Propheten mit Jesaja abschließen, der das Ende aller Tage voraussah:
Kapitel 56
7 Sie bringe ich zu meinem heiligen Berg und erfülle sie in meinem Bethaus mit Freude. Ihre Brandopfer und Schlachtopfer finden Gefallen auf meinem Altar, denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt.
Kapitel 60
17 Statt Kupfer bringe ich Gold, statt Eisen bringe ich Silber, statt Holz Kupfer und statt Steine Eisen. Ich setze den Frieden als Aufsicht über dich ein und die Gerechtigkeit als deinen Vogt.
18 Man hört nichts mehr von Unrecht in deinem Land, von Verheerung und Zerstörung in deinem Gebiet. Deine Mauern nennst du «Rettung» und deine Tore «Ruhm».
Kapitel 62
1 Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.
2 Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit und alle Könige deine strahlende Pracht. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des Herrn für dich bestimmt.
6 Auf deine Mauern, Jerusalem, stellte ich Wächter. Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen. Ihr, die ihr den Herrn (an Zion) erinnern sollt, gönnt euch keine Ruhe!
7 Lasst auch ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufbaut, bis er es auf der ganzen Erde berühmt macht.
Möge es der Wille des EWIGEN sein, dass sich die Worte der Propheten an uns erfüllen und dass Ruhe kommen möge über dieses Land.