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Visit of Pope to Israel     Deutsch     Religionsübergreifende Aktivität in Israel

Religionsübergreifende Aktivität in Israel

20 Apr 2009

 

Robin Twite

Der Hintergrund

Das Streben nach Verständnis unter verschiedenen Religionen ist ein relativ neues Phänomen. Zu allen Zeiten hat es eine Anzahl von Männern und Frauen gegeben, die verstanden, wie wichtig es ist, andere religiöse Überzeugungen zu achten und von ihnen zu lernen. Typischer gewesen sind jedoch die Einstellungen der Kreuzritter gegenüber den Juden und Muslimen; von christlichen Missionaren in Indien, die entsetzt waren über die äußeren Zeichen des Hinduismus oder Animismus; von Brahmanen, die fürchteten, selbst der Schatten einer Person anderen Glaubens sei eine Verunreinigung; von Muslimen, die den „Dschihad“ gegen Ungläubige fordern; oder vom Zorn orthodoxer Juden, die mit dem Phänomen der Heirat zwischen Juden und Nichtjuden konfrontiert sind. Religiöser Glaube scheint in der Geschichte der Menschheit oftmals eher eine spaltende denn eine verbindende Wirkung gehabt zu haben.

Die internationale religionsübergreifende Bewegung, die seit etwa einhundert Jahren existiert, ist eine Reaktion auf das Gefühl, dass Religion stets die Saat der Zwietracht in sich trägt. Sie verdankt ihre Existenz der Bewusstwerdung bei vielen religiösen Führern, dass alle großen Religionen gewisse positive Grundlehren über die Natur des Menschen und seine Beziehungen zu Gott beinhalten und dass es angemessener ist, diese Parallelen zu finden, als das alleinige Verständnis der letzten Wahrheit für sich zu beanspruchen.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts stimmten allmählich immer mehr Menschen Swami Vivekananda zu, einem Pionier der religionsübergreifenden Bewegung, der 1893 erklärte: „Der Christ soll kein Hindu oder Buddhist werden, noch soll ein Hindu oder Buddhist Christ werden. Sondern jeder muss den Geist der anderen in sich aufnehmen und doch seine Individualität wahren und gemäß seinem eigenen Wachstumsgesetz wachsen... Heiligkeit, Reinheit und Wohltätigkeit sind nicht das Alleineigentum irgendeiner Kirche der Welt, jedes System hat Männer und Frauen von sehr erhabenem Charakter hervorgebracht.“

Die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen der Welt hat Auswirkungen nicht nur auf den Einzelnen, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganze, vor allem in Regionen, wo Konflikte vorherrschen. Wie Professor Hizkias Assefa während seiner Zeit als Leiter der Friedensinitiative von Nairobi erklärte: „es gibt verständnisvolle Konzepte und Werte über viele Glaubensrichtungen und Religionen hinweg, die die gegenseitigen Anstrengungen im Streben nach Frieden für unsere unruhige Welt verstärken können.“

Der Fortschritt dieser Bewegung für Verständnis und Toleranz hat jedoch im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts einen schweren Rückschlag erlitten. Die Zerstörung der „Zwillingstürme“ in New York durch muslimische Extremisten kennzeichnete den Beginn eines Zeitraums, in dem Politik und Religion weltweit engere Verbindungen eingingen als in vielen zurückliegenden Jahrhunderten. Der Zorn unter den Benachteiligten, von denen viele Muslime waren, über die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten und Europas, kombiniert mit dem Wiedererwachen fundamentalistischer religiöser Überzeugungen bei Muslimen wie Christen, erschuf eine Situationen, in der viele aus beiden Gemeinschaften „den anderen“ als einen Feind betrachteten. Der scheinbar unlösbare Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, in dem Juden gegen Muslime kämpfen, zusammen mit amerikanischer und britischer Beteiligung an Konflikten in hauptsächlich muslimischen Ländern – Irak und Afghanistan – trübt das Bild noch weiter.

Diese negativen Entwicklungen wirkten sich direkt auf den Nahen Osten aus, der sich im Zentrum des Sturms befindet. Zuvor, mindestens in den letzten einhundert Jahren, war die Geschichte der Region geprägt von einer Zunahme der Toleranz und des Verständnisses zwischen den Religionen. In Israel macht die intensive Bindung der drei monotheistischen Religionen an ein Gebiet, das sie alle zu verschiedenen Zeiten regiert haben und wo weiterhin Anhänger ihres Glaubens leben, das Land zu einem schwierigen Gebiet für jene, die an den Wert der religionsübergreifender Aktivität glauben.

Das weltweite Aufkommen zweier deutlicher Trends bei religiösen Führern und ihren Anhängern war der Fokus von Diskussionen bei religionsübergreifenden Zusammenkünften wie den Weltversammlungen, die alle vier Jahre von der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religionen für den Frieden“ (vormals bekannt als „Weltkonferenz der Religionen für den Frieden“) veranstaltet werden.

Einen dieser Trends kann man grob mit dem Wort „religionsübergreifend“ beschreiben; gemeint ist das Anerkennen der Gültigkeit aller großen religiösen Traditionen und der Notwendigkeit, dass sie einander achten und zusammenarbeiten. Die positiven Aspekte dieses Ansatzes sind eine aufrichtige Anstrengung, von den Überzeugungen des anderen zu lernen und ihre Aufrichtigkeit zu erkennen. Dies wird erreicht durch einen Wunsch, die toleranteren Aspekte des Glaubens in die Schaffung von Frieden und Harmonie unter Völkern und Nationen zu kanalisieren. Wie bereits gesagt, dieser Trend hat im letzten Jahrhundert zugenommen.

Der zweite Trend, „Fundamentalismus“, spiegelt einen Wunsch, zu den Grundüberzeugungen der Gründer der jeweiligen Religionen und zu einer wörtlichen Auslegung ihrer heiligen Schriften zurückzukehren. Eine solche Rückkehr zu fundamentalen Überzeugungen kann zu einem Gefühl großer Zuversicht bei den Gläubigen führen, die spüren, dass sie Zuflucht in der Sicherheit des Glaubens gefunden haben.

Beide Ansätze haben ihre Schwächen. Eine religionsübergreifende Perspektive kann leicht zu einem gewissen vagen Idealismus führen. Dieser verwässert das Wesen der einzelnen religiösen Systeme und tendiert dazu, ein verallgemeinertes, etwas nichts sagendes Wohlwollen zu spiegeln, das letztendlich ineffektiv und unüberzeugend ist. Im Gegensatz dazu verkörpert Fundamentalismus, der klar definiert ist, häufig ein starkes Glaubenselement an der Seite von Intoleranz. Die von den Gläubigen verspürte Sicherheit manifestiert sich häufig in einer feindseligen Einstellung gegenüber jenen mit anderen Glaubenssystemen. Dies ist klar erkennbar bei den Entwicklungen seit dem 11. September 2002, die, wie bereits erwähnt, eine deutliche Veränderung der Einstellung bei vielen Gläubigen aller drei monotheistischen Religionen bewirkt haben und die Dinge für diejenigen schwieriger machen, die sich bemühen, Toleranz und Verständnis zu fördern.


Interreligiosität in Israel – eine komplexe Situation

Die Betrachtung der religionsübergreifenden Beziehungen in Israel wird durch die Notwendigkeit kompliziert, nicht nur die alltäglichen Beziehungen zwischen verschiedenen Anschauungen im Land selbst zu berücksichtigen, sondern eine breitere Perspektive einzunehmen. Für Christen, Juden und Muslime ist Jerusalem, die Hauptstadt Israels, eine heilige Stadt und das Land zwischen Jordan und Mittelmeer heilig. Für die Juden ist es ihre Heimat und zentral für ihren Glauben; für Christen ist es ein Wallfahrtsort, wo Jesus lebte und starb; für Muslime, wie ein vor kurzem in Auftrag gegebener UNESCO-Bericht besagt, „unterliegt die überragende Wichtigkeit von Jerusalem als dritter heiliger Ort (nach Mekka und Medina) niemals dem geringsten Zweifel.“

Für Mitglieder aller drei Religionen hat Israel eine besondere Bedeutung. Jede hat ihre Schreine und Religionsstätten, denen sie verbunden ist und um die ständig gerungen wird, um die Vorherrschaft und Kontrolle zu wahren. Deshalb ist der Umgang der drei Religionen in Israel miteinander mehr als nur von rein regionaler Bedeutung. Er verleiht auch ihrer Beziehung zu ihren Glaubensgenossen außerhalb Israels und zu den spirituellen, intellektuellen und theologischen Bewegungen in den umfassenderen Glaubensgemeinschaften, denen sie angehören, besondere Wichtigkeit.

In Israel findet man unter den Praktizierenden aller Religionen sowohl Befürworter religiöser Harmonie als auch jene, deren Interpretation von Glauben im wörtlichen Gehorsam der Schrift besteht. Die letztere Gruppe ist gegenüber religiösen Überzeugungen, die sich von ihren eigenen unterscheiden, häufig feindselig eingestellt: dies rührt in vielen Fällen von Unwissenheit über sie her, aber häufiger von leidenschaftlichem Glauben, der leicht von religiösen Führern manipuliert werden kann, die wenig Zeit für Toleranz haben.

Diejenigen in Israel, die an religionsübergreifendes Verständnis glauben, erhalten intellektuelle Unterstützung von Vertretern der religionsübergreifenden Aktivität auf der Weltbühne, beispielsweise den „Religionen für den Frieden“, von Organisationen, die sich der Förderung des Verständnisses zwischen den Religionen widmen, und von jenen in den etablierten Religionen, die an religionsübergreifendes Verständnis glauben. Im Lauf der Jahre ist es ihnen gelungen, begrenzte finanzielle Unterstützung von internationalen Stiftungen zu erhalten.

Diejenigen, die sich zu dem fundamentalistischen Ansatz hingezogen fühlen, werden ermuntert von Kräften von außerhalb, beispielsweise pfingstkirchliche Protestanten in den USA, die in ihrer Unterstützung für Israel und ihrer Gleichgültigkeit dem muslimischen Glauben gegenüber unerschütterlich sind, oder von muslimischen Lehrern an den großen islamischen Schulen des Nahen Ostens, von denen einige theologische Unterstützung für das Konzept des „Dschihad“ geben.

In dieser sowie vielerlei anderer Hinsicht ist Israel ein Mikrokosmos der gesamten Welt, wo Toleranz Fanatismus konfrontiert und die Schlacht zwischen ihnen über eine Fülle von Fragen auf zahlreiche Arten geschlagen wird. Deshalb wurden natürlich die religionsübergreifenden Beziehungen in Israel durch die weltweiten Entwicklungen seit 2002 beeinträchtigt.

Der Philosoph Martin Buber begann nach seiner Auswanderung 1938 nach Israel, eine Art des jüdischen Humanismus zu lehren. Diese Philosophie forderte die gegenseitige Anerkennung von religiösen Überzeugungen, auf der Grundlage der Erkenntnis, dass Judentum, Islam und Christentum und sogar alle großen Religionen gewisse Grundkonzepte gemeinsam haben. Es überrascht vielleicht nicht, dass Buber in orthodoxen jüdischen Kreisen auf beträchtliche Feindseligkeit stieß und in Israel nie die hohe Wertschätzung und Anerkennung erhielt, die er im Europa vor dem Zweiten Weltkrieg genossen hatte.

Es gelang Buber jedoch, sich mit einer Gruppe von Personen zu umgeben, die seine Weltanschauung teilten – Christen, Juden und Muslimen. Mit ihrer Hilfe gründete er die Israel Interfaith Association, deren Ziel die Schaffung von besseren Beziehungen zwischen Mitgliedern der drei Religionen in Israel war. In den letzten 40 Jahren hat der Verband zahlreiche Seminare und Konferenzen veranstaltet, hat Bücher und Broschüren veröffentlicht und war in internationalen Gremien aktiv, die sich der Schaffung eines weltweiten Verständnisses zwischen Vertretern verschiedener Religionen widmen.

Der Einfluss von Buber und seinen Anhängern hatte jedoch nur begrenzte Auswirkungen im Land. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass das politische Klima in Israel nicht hilfreich war. Viele Israelis und ihre Familien litten während des Holocaust Qualen durch die Hand von Christen in Europa. Andere, weniger emotional, aber auch schmerzlich, verloren ihr Geld und ihren Besitz, als sie in den 1950ern aus verschiedenen nahöstlichen Ländern nach Israel kamen. Die Gefühle der Islamfeindlichkeit unter den Israelis wurden verschärft durch die Tatsache, dass die Kriege Israels gegen seine Nachbarstaaten gekämpft wurden, deren Bürger mit großer Mehrheit Muslime waren, auch wenn ihre Regierungen weltlicher Art waren. Die Ereignisse im letzten Jahrzehnt haben nichts getan, um diese Feindseligkeit zu mindern.

Außerdem hat Israel im Wesentlichen immer weltliche Regierungen gehabt, seien es Sozialisten, denen Religion jeglicher Art relativ gleichgültig war, oder Nationalisten, für die die jüdische Religion vor allem ein Instrument der Staatenbildung war, ein Mittel zur Schaffung einer nationalen Identität. Beide Gruppen tendierten dazu, Christen und Muslime in Israel, die fast ausschließlich Araber sind, potenziell als politisch unzuverlässig zu betrachten. Während die Behörden in ihrer Einstellung zu religiösen Institutionen sehr korrekt waren und die heiligen Stätten von Christen und Muslimen im Einklang mit dem Status quo schützten, der Ende des 19. Jahrhunderts unter den Ottomanen etabliert wurde, zeigten sie wenig Interesse daran, ein besseres Verständnis dieser Minderheiten bei der jüdischen Mehrheit zu fördern.

Der Großteil der zehn bis fünfzehn (über die genaue Zahl gehen die Meinungen auseinander) Prozent der jüdischen Bevölkerung, die streng orthodox oder nationalreligiös orientiert sind, neigt dazu, in anderen Religionen feindselige Einheiten zu sehen, die auf allen Ebenen bekämpft werden müssen. Viele von ihnen stellen sich aktiv Bemühungen entgegen, einen Dialog mit Angehörigen anderer Religionen zu schaffen. In dieser Gemeinschaft sind die Führer und ihre Gemeinden einem religionsübergreifenden Verständnis gegenüber gleichgültig oder ihm aktiv feindlich gesinnt.

Die große Mehrheit der Juden, ob orthodox, gemäßigten Glaubens oder weltlich, besitzt nur sehr geringe Kenntnisse über die Glaubensgrundsätze anderer Religionen. Die meisten jungen Juden in Israel haben sich noch nie mit einem Christen oder Muslim privat getroffen.

Die muslimischen Einstellungen waren genauso wenig positiv. 1948 fanden sich die arabischen Länder, die in Israel eindrangen, und die Araber, die keine Flüchtlinge wurden, im jüdischen Staat in einer Minderheit wieder. Sie haben Hebräisch gelernt und sich in einem bemerkenswerten Ausmaß dem Leben in einer jüdisch dominierten Gesellschaft angepasst, aber ihre Führer waren entweder, wie im Fall der Kommunisten, allen Religionen feindlich gesinnt, oder, wie im Fall der islamischen Kleriker, sie neigten dazu, im Judentum die Religion ihrer Unterdrücker zu sehen, die sie ihrer Wahrnehmung nach zu Bürgern zweiter Klasse gemacht haben.

Im allgemeinen haben Muslime nur geringes Interesse an religionsübergreifender Aktivität gezeigt, und ihre Kenntnis der Glaubenssysteme und Einstellungen ihrer Nachbarn ist, falls überhaupt vorhanden, noch geringer als diejenige von Christen und Juden. Es hat bemerkenswerte Personen gegeben, die an religionsübergreifenden Aktivitäten teilnehmen, aber es waren nur wenige und ihre Bemühungen wurden in letzter Zeit überschattet von der Identifikation von Islam und Gewalt, die in den Köpfen vieler Juden in Israel stattfindet, und durch die von der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gaza-Streifen geförderte Gewalt, die militanten muslimischen Bewegungen, die die Speerspitze des Widerstands gegen den Friedensprozess sind.

Die in Israel lebenden arabischen Christen (weniger als drei Prozent der Bevölkerung), die überwiegend griechisch-orthodox oder griechisch-katholisch sind, standen religionsübergreifenden Initiativen manchmal zögerlich gegenüber. Sie betrachteten die Teilnahme als potenziell gefährlich für ihre bereits schwache Position gegenüber den Muslimen. Daher tendierten sie dazu, sich aus allem herauszuhalten, das muslimische Araber annehmen lassen könnte, sie engagierten sich für einen positiven Dialog mit Vertretern des Judentums.

In den letzten Jahren hat der Widerstand gegen einige Aspekte von Israels Regierungspolitik dazu tendiert, dass sich Christen und Muslime einander annäherten. Es ist jedoch fraglich, in welchem Umfang sich ihre Grundeinstellungen einander gegenüber verändert haben. Die Christen fürchten die Muslime, vor allem den muslimischen Fundamentalismus, und die Muslime neigen dazu, Christen als nicht ganz zuverlässig und als in einiger Hinsicht dem Westen zu nahe zu betrachten.

Christen, Juden und Muslime in Israel tendieren dazu, innerhalb ihrer eigenen Kultur und Gesellschaft zu verharren, und besitzen daher voneinander nur geringe weltanschauliche Kenntnisse. Dies spiegelt sich in den Lehrplänen der jüdischen wie der arabischen Schulsysteme, wo nur minimal auf andere Religionen eingegangen wird. Man kann gerechterweise sagen, dass sich das israelische Bildungsministerium nicht sehr bemüht hat, die Lehrpläne dahingehend zu überarbeiten, dass junge Leute über andere Religionen als ihre eigene informiert werden.


Positive Beiträge zur religionsübergreifenden Aktivität

Ermutigung zur religionsübergreifenden Arbeit kam jedoch aus mehreren verschiedenen Richtungen. Wegweisend waren Vertreter der katholischen und der protestantischen christlichen Kirche außerhalb Israels, die aus religiösen Gründen im Heiligen Land leben und sich um die heiligen christlichen Stätten kümmern, vielfältige Aufgaben im Zusammenhang mit der Wallfahrt wahrnehmen und Bildungs- und Sozialarbeit verrichten, überwiegend unter der arabischen Bevölkerung.

Die Katholiken unter ihnen sind Mitglieder einer Kirche, die in den vergangenen 50 Jahren von ihrer vorherigen Position des hartnäckigen Antagonismus gegenüber anderen christlichen Konfessionen, der jüdischen Gemeinschaft und anderen Religionen abgerückt ist. 1962 entfernte die Kirche unter Führung von Papst Johannes XXIII antisemitisches Material aus der Liturgie und leitete eine neue Beziehung zwischen Judentum und Christentum ein. Etwa zu gleicher Zeit verbesserten sich die Beziehungen der katholischen Kirche zur anglikanischen und zur evangelischen Kirche deutlich, und es wurde der Dialog zwischen den östlichen Gemeinden der griechisch-orthodoxen, der armenischen, der koptischen Kirche von Ägypten und weiteren aufgenommen.

Die 1964 getroffene Entscheidung, ein ökumenisches Institut in Tantur bei Bethlehem einzurichten, diente als Symbol für den Wunsch der katholischen Kirche, ihre neue Annäherungspolitik auf das Heilige Land auszuweiten. Tantur bietet Kurse für christliche Geistliche an, die sich mit dem Land der Bibel vertraut machen wollen. Seine Kurse beinhalten Material, das das Verständnis von Judentum und Islam lehren soll, und seine Fakultät umfasst Christen, Juden und Muslime. Ebenso wichtig ist, dass es als Treffpunkt für Israelis und Palästinenser dient, die ihre Erfahrungen austauschen oder über ihre Differenzen in einem kreativen Geist debattieren möchten. Tantur bietet eine geschützte und sichere Atmosphäre für den Dialog.

Ein prominentes katholisches Ordensmitglied, der verstorbene Vater Bruno Hussar, wagte sich auf neues Gebiet vor, als er in den 1980ern half, die ländliche Siedlung Neve Shalom in der Nähe von Jerusalem zu gründen, wo arabische und jüdische Familien zusammenleben und die ein religionsübergreifendes Meditationszentrum hat.

Auch andere christliche Kirchen, deren Führung aus Europa und Nordamerika kommt, haben sich bemüht, den religionsübergreifenden Dialog in Israel zu verbessern. Die schottische presbyterianische Kirche, die schwedischen protestantischen Kirchen, die niederländische Reformkirche und weitere haben sich für die Aktivitäten eingesetzt, mit denen religionsübergreifendes Verständnis gefördert werden soll.

Am erfolgreichsten waren vielleicht die Initiativen in den ländlichen Gebieten von Galiläa, die von Christen, Muslimen und Juden bewohnt sind. Zu ihnen zählt Elias Jabbour, dessen „Haus der Hoffnung“ in der kleinen Stadt Shfaram bei Haifa Aktivitäten anbietet, mit denen örtliche christliche, muslimische und jüdische Gemeinden zu Kommunikation und Dialog angeregt werden sollen. Vater Elias Chacour, ein radikaler und tatkräftiger griechischer katholischer Priester in dem Dorf Ibellin in West-Galiläa, hat eine erfolgreiche weiterführende Schule gegründet, die sowohl Christen als auch Muslime als Schüler hat und wo mehrere Mitglieder des Lehrkörpers Juden sind.

Weitere positive Kräfte aus religionsübergreifender Sicht beinhalten die konservative und die Reformströmung im Judentum, die beide weiterhin große Schwierigkeiten haben, sich angesichts des orthodoxen Widerstands im Land zu etablieren, und für den Dialog mit anderen Weltanschauungen offener sind. Einzelne orthodoxe Rabbiner sind ebenfalls aktiv gewesen, unter ihnen Rabbi David Rosen, der der Haupt-Rabbi von Irland war und jetzt eine einzigartige Position im religionsübergreifenden Dialog einnimmt – als internationaler Direktor für religiöse Angelegenheiten beim Amerikanisch-Jüdischen Komitee, Co-Präsident von „Religionen für den Frieden“ und aktiver Teilnehmer an vielen weltweiten Initiativen, die sich für religiöses Verständnis einsetzen. Er spielte eine große Rolle bei den Verhandlungen mit dem Vatikan, die dazu führten, dass letzterer 1993 Israel anerkannte, und bei der Einrichtung einer bilateralen Kommission für den Dialog zwischen dem Haupt-Rabbinat von Israel und dem Heiligen Stuhl, was eine sehr signifikante Entwicklung ist, die ermöglicht, dass Juden und Katholiken regelmäßig ihre Beziehung überprüfen und auf die Herausforderungen reagieren, die sich dem gegenseitigen Verständnis stellen.

Beachtenswert ist außerdem, dass das israelische Außenministerium die religionsübergreifende Aktivität weitgehend unterstützt hat. Dies kann als Anzeichen für eine israelische Außenpolitik gewertet werden, die sich bemüht, religionsübergreifendes Verständnis zu fördern, mit Blick auf die Verbesserung der Beziehungen zu entfernteren Ländern und zwischen Gemeinden innerhalb Israels selbst (wenngleich nicht unbedingt, diesen Anliegen Gelder zu widmen).

Die bereits erwähnten Anstrengungen der Israel Interfaith Association wurden durch die Einrichtung des Internationalen Koordinationsausschusses in Israel (ICCI) 1991 verstärkt. Er bemüht sich, religionsübergreifendes Verständnis und kulturelle Harmonie in Israel zu fördern, und fungiert als Clearinghaus für Informationen über religionsübergreifende Aktivität in Israel und im Ausland. Außerdem fördert er Aktivitäten, um jene zusammenzuführen, die sich um ein besseres gegenseitiges Verständnis bemühen. In letzter Zeit hat der ICCI die Arbeit mit Jugendlichen und mit Frauen verstärkt.

Unter den ungefähr 60 Organisationen, die am ICCI mitwirken, beschäftigen sich einige, beispielsweise die Ecumenical Theological Fraternity, eine akademisch orientierte Gruppe von Theologen und Geistlichen, hauptsächlich mit christlich-jüdischem Dialog, während andere wie das Seminarzentrum für Pluralismus im Kibbutz Malkiya mit der Förderung von Beziehungen auf Gemeindeebene befasst sind. Einige, zum Beispiel die Schwestern von Zion, ein Mitte des 19. Jahrhunderts zur Förderung des christlich-jüdischen Verständnisses gegründeter Orden, arbeiten schon lange auf dem religionsübergreifenden Gebiet, während sich andere erst kürzlich entwickelt haben. Auffallend ist jedoch, dass nur wenige der als Mitglieder des ICCI aufgeführten Organisationen spezifisch muslimisch sind.

Besonders aktiv ist das Jerusalemer „Zentrum für jüdisch-christliche Beziehungen“ gewesen, das sich bemüht, weitere Teile der jüdischen Gesellschaft in Israel in örtlichen christlichen Gemeinschaften zu involvieren. Es will mit seinen Aktivitäten Ignoranz und Vorurteile überwinden und Verständnis zwischen Juden und einheimischen arabischen Christen fördern. Obwohl es erst seit 2004 existiert, nahmen 2008 knapp 4.000 Personen an seinen Aktivitäten teil.

Eine weitere Organisation, die sich religionsübergreifenden Anliegen widmet, die „Vereinigung für interreligiöse Begegnung“, ist nicht nur in Israel tätig, sondern hat sich sehr bemüht, den Umfang ihrer religionsübergreifenden Aktivität auf Gemeinden in Palästina auszuweiten. Der Verband hat eine Vielzahl von Begegnungen organisiert, an denen laut seinem Jahresbericht über viertausend Personen teilgenommen haben. Besonderen Wert legt er auf die Bildung von Frauengruppen aus unterschiedlichen religiösen Gruppen.

Während sich der religionsübergreifende Dialog in Israel in den letzten 60 Jahren überwiegend der Schaffung besserer Beziehungen zwischen der christlichen Kirche und den Juden widmete – durch die Klärung theologischer Missverständnisse zwischen ihnen –, verspüren nun alle mit religionsübergreifenden Aktivitäten in Israel Befassten den Wunsch, den Dialog auf mehr örtliche christliche Gemeinden, Muslime und Vertreter der jüdisch-orthodoxen Gemeinde auszuweiten. Hier macht man aber nur langsam Fortschritte.

Eine in den 90er Jahren in Jerusalem veranstaltete große internationale Konferenz war eine positive Manifestation des Wertes von religionsübergreifendem Dialog. Rund 600 christliche und jüdische Führer trafen sich, um über die Herausforderungen zu diskutieren, die sich der Religion durch die Wissenschaft und neue gesellschaftliche Entwicklungen stellen. Bedeutende Kardinäle, der lateinische Patriarch von Jerusalem (ein christlicher Araber), der Erzbischof von Canterbury, Bischöfe aus Afrika und Asien, die Haupt-Rabbiner von Frankreich und Südafrika sowie Rabbiner und Akademiker aus Israel selbst mischten sich in einer Weise mit Wissenschaftlern und Soziologen, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre. In jüdisch-orthodoxen Kreisen gab es einigen Widerstand gegen die Konferenz, aber insgesamt war die Initiative erfolgreich. Ihre langfristige Wirkung war allerdings begrenzt.

Dasselbe kann man von einer dramatischen Begegnung sagen, die 2002 stattfand und die Erkenntnis religiöser Führer aus der Region und über sie hinaus symbolisierte, dass sie eine Rolle bei der Beilegung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern spielen müssten. Unter der Schirmherrschaft des Erzbischofs von Canterbury trafen sich religiöse Führer, darunter der sephardische Haupt-Rabbi von Israel, der Groß-Scheich von Al Azar in Ägypten, bedeutende muslimische Scheichs von der West Bank sowie die Vorstände verschiedener christlicher Konfessionen aus Jerusalem und anderen Orten, in Alexandria und unterzeichneten die „Erklärung von Alexandria“, die alle Konfliktparteien dringend aufforderte, sich der Gewalt zu enthalten, und Anhänger aller drei Religionen mahnte, Toleranz und Verständnis zu üben, um den Frieden zu fördern. Es ist jedoch nicht leicht, direkte Ergebnisse zu verfolgen, die sich aus der Erklärung ergaben – nachfolgende Bemühungen zur Veranstaltung von Folgetreffen und zur direkten Beeinflussung der Politik hatten keine sichtbaren Auswirkungen. Im allgemeinen hat die religiöse Führung keine bedeutende Rolle bei der Förderung von Frieden gespielt, jedenfalls soweit man den Medien entnehmen kann – obwohl natürlich immer die Möglichkeit besteht, dass hinter den Kulissen Einfluss ausgeübt wurde.

In neuerer Zeit kam es zu einem wichtigen Dialog unter der Schirmherrschaft des Weltkongresses der Imame und Rabbiner für den Frieden, der bei einer 2006 in Spanien veranstalteten Konferenz einen Ausschuss zum Schutz der heiligen Stätten gründete, dem unter anderem Rabbi Cohen, der Haupt-Rabbi von Haifa und der Imam Imad al Falouji von Gaza angehören. Außerdem hat der Kongress Bildungsprogramme initiiert, mit denen Jugendliche über die wichtigsten Lehren der drei abrahamitischen Religionen und ihre Bedeutung für Toleranz informiert werden sollen.


Schlusswort

Heute befinden sich, wie wir gesehen haben, große Gruppen praktisch außerhalb des religionsübergreifenden Dialogs – die überwältigende Mehrheit der muslimischen Gläubigen (sowohl Führer als auch Gemeinden) sowie die meisten orthodoxen jüdischen Rabbiner und Gemeinden. Die Einstellungen zur religionsübergreifenden Arbeit unter ortsansässigen Christen variieren stark, aber es gibt Anzeichen, dass ihre Führung sich religionsübergreifender Anliegen bewusster wird und mehr Christen an religionsübergreifender Aktivität teilnehmen. Vollständig vertreten sind bei solchen Aktivitäten jedoch nur die „westlichen“ Christen, die ihre Stärke von ihren Kontakten außerhalb Israels beziehen, der liberale Flügel der jüdischen Meinung sowie gewisse einzelne religiöse Führer, deren Anschauungen toleranter sind als diejenigen der Mehrzahl ihrer Kollegen.

Jene, die vom religionsübergreifenden Dialog erwarten, dass er die Beziehungen zwischen den Gemeinden in Israel transformieren oder für anhaltenden Frieden in der Region sorgen wird, sind wahrscheinlich unrealistisch. Religion in Israel und im Nahen Osten ist generell eher Ursache von Missklängen als von Harmonie. Aber das heißt nicht, dass religionsübergreifende Bemühungen Zeitverschwendung sind. Der langsame und mühevolle Prozess zu gegenseitiger Anerkennung und Verständnis, der bereits einige der Spaltungen zwischen Juden und Christen sowie zwischen verschiedenen christlichen Kirchen beigelegt hat, wird in Israel ungeachtet der Rückschläge und des schwierigen politischen Klimas fortgesetzt. Das Aufkommen des Fundamentalismus, der Hass und Misstrauen gegenüber anderen schürt, verleiht diesen Bemühungen neue Dringlichkeit.

Religionsübergreifende Aktivität ist, wie deutlich geworden ist, eine ausgesprochene Minderheitenaktivität. Relativ wenige Israelis gleich welcher Glaubensrichtung sind direkt daran beteiligt, und die weiter oben genannten Aktivitäten der verschiedenen Organisationen finden überwiegend in Jerusalem und Galiläa statt, aus dem offensichtlichen Grund, dass sich in diesen Gebieten die Mehrzahl der muslimischen und christlichen Gemeinden befindet. Um diese Sachlage zu ändern, müsste die israelische Regierung eine positivere Einstellung gegenüber religionsübergreifendem Verständnis annehmen und, vielleicht noch wichtiger, die verschiedenen beteiligten religiösen Organisationen oder internationale Geldgeber müssten Mittel investieren. Geldmangel schränkt die Bemühungen aller religionsübergreifenden Organisationen im Land stark ein und verhindert die Einrichtung religionsübergreifender Zentren und die Einleitung gemeinsamer, von Vertretern der drei Religionen gesponserter Initiativen in den Bereichen Bildung und Gemeindebeziehungen, die aktiv dazu beitragen könnten, unter einem größeren Bevölkerungsquerschnitt Verständnis zu fördern.

Die Hoffnung muss sein, dass Religion langfristig ein Mittel sein kann, um Verständnis und Frieden zu fördern, und nicht um Vorurteile und Hass zu schüren. Wie der ehemalige lateinische Patriarch von Jerusalem, Michael Sabbah, gesagt hat: „Als drei Gemeinschaften des abrahamitischen Glaubens, Christen, Muslime und Juden, sehen wir unter einigen Gläubigen die Ausnutzung und Manipulation der Religion in der Absicht, Fanatismus im Namen Gottes und auf Kosten der menschlichen Person und der Gemeinden zu schüren. Man ersetzt den Gott der Heiligkeit, Wahrheit und allumfassenden Liebe durch plumpe Idole, die von dem in uns selbst existierenden Bösen geformt sind. Wir alle müssen die Heiligkeit, die Transzendenz von Gott und seiner Liebe entdecken, die unser verlässlicher Führer ist zur gegenseitigen Akzeptanz und Achtung in unserem täglichen Leben und dabei, das Antlitz unseres Landes und von Jerusalem, unserer Stadt, der Mutter und der spirituellen Heimat aller Gläubigen, zu erneuern.“

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